Prokrastination: Erst putzen, dann lernen

Prokrastination beim Lernen kann langwierige Folgen haben. Einfache Regeln helfen, um Aufschiebetaktiken zu umgehen.

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Wohnung putzen ist meistens ein lästiges Übel, das gern aufgeschoben wird. Vor allem Studenten sind wahre Künstler darin, sich vor der Hausarbeit zu drücken. Doch plötzlich läuft es wie geschmiert, selbst der hinterste Regalboden wird ausgeräumt und sauber gemacht. An diesem plötzlichen Wandel, den manche Mutter in wahre Begeisterungsrufe versetzt, ist oft die fertigzustellende Uni-Hausaufgabe schuld. Schon morgens wurde das Worksheet geöffnet, um endlich loszulegen. Schließlich wurde das lästige Schreiben schon drei Tage verbummelt. Nur noch einen Kaffee holen. In der Küche wird einem bewusst, wie verschmutzt sie schon wieder ist, selbst wenn nur ein Brötchenkrümel liegen geblieben ist. Schon geht es los: Da wird geschrubbt, bis die Finger bluten. Nach der Küche ist das Bad dran, danach das Wohnzimmer und abends ist das Worksheet immer noch leer.

Prokrastination beim Lernen – eine psychologische Störung

Das krankhafte Aufschiebeverhalten (insb. beim Lernen) wird in der Psychologie als Prokrastination bezeichnet. Es ist „eine klinisch bedeutsame Störung der Selbststeuerung, bei der die Betroffenen für sie wichtige Arbeiten nicht oder nicht rechtzeitig und nur unter großem Druck erledigen“, weiß die Diplom-Psychologin Magarita Engberding.

Die Betroffenen sind diesem Mechanismus hilflos ausgeliefert. Wie fremdgesteuert wird der Staubsauger in die Hand genommen oder die Finger tauchen ins Abwaschwasser. Das kann den Studenten nicht nur den Uni-Abschluss kosten, Prokrastination wirkt sich ebenfalls im Berufsleben aus. Ein unzufriedener Chef beendet das Arbeitsverhältnis, Freelancern werden die Aufträge storniert. Am Ende kostet es vielleicht Haus und Familie.

Nie wieder aufschieben

Aus verhaltenspsychologischer Sicht ist das Aufschieben nachvollziehbar: Kurzfristig werden Glücksgefühle freigesetzt, weil unangenehme Gefühle wie Stress oder Widerwille verschwinden. Langfristig ist Prokrastination jedoch ein zerstörender Mechanismus. Das latent schlechte Gewissen führt zu Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen. Die Folge sind Depressionen. Spätestens jetzt suchen Betroffene Hilfe. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten sich selbst zu motivieren: „Als Daumenregel kann helfen, von dem, was man sich intuitiv vornehmen würde, 50 Prozent abzuziehen“, weiß Psychologin Eva Frings.

Magarita Engberding kennt einen weiteren Rat: Betroffene sollen nur in bestimmten Zeiten und für eine begrenzte Dauer arbeiten. Erst wenn die Zeitspanne effizient genutzt wird, können weitere Arbeitszeiten verdient werden. Aus „ich muss (eigentlich dauernd) lernen“, wird dadurch „ich darf (nur jetzt) lernen“.

Wer sich an solche Prinzipien hält, hat eventuell wieder eine unordentliche Wohnung, dadurch aber auch das Hochgefühl Arbeiten gelassen und rechtzeitig fertigzustellen und endlich in seinem Leistungsniveau angekommen zu sein. Das stärkt das Selbstwertgefühl und die Bachelor- oder Masterarbeit ist ein Klacks.

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